05.07.2022

Interview mit Marc May

Schiedsrichter des Monats Juni

Unser Schiedsrichter des Monats Juni ist Marc May vom BSC SW 19 Frankfurt.

Marc war zehn Jahre lang Lehrwart der SVF und hat in dieser Zeit viele unserer Talente gefördert und weitergebildet. Während seiner langen Laufbahn hat er außerdem so einige Änderungen und Entwicklungen im Schiedsrichtersport miterlebt – vor und hinter den Kulissen!

Name: Marc May

Alter: 35 Jahre

Schiedsrichter seit: 2003

Lehrwart von / bis: 2012 – 2022

Spielklasse: Kreisoberliga (höchste: als SR Gruppenliga, als SRA Hessenliga)

Verein: BSC Schwarz-Weiß 19 Frankfurt

 

 

  1. Wie bist Du zum Schiedsrichtern gekommen?

1994 habe ich fast alle Spiele der Weltmeisterschaft bei einem Freund mit dessen Familie und ein paar Freunden in der Garage gesehen und fand hierbei mit jedem Spiel die Schiedsrichter und ihre Aufgaben spannender. Eigentlich wurde hier schon meine Begeisterung für das Amt als Schiedsrichter geweckt. Kurz danach habe ich mir von meinen Eltern ein Regelheft gewünscht und es mir mehrfach genau durchgelesen, bevor ich dann in der Schule anfing, in den Pausen bei den Fußballspielen zwischen den Schulklassen selbst als Schiedsrichter erste Erfahrungen zu sammeln.

Ein Jahr später bin ich dann das erste Mal mit ein paar Freunden zum Fußballtraining gegangen und habe dort den Trainer gefragt, wie ich Schiedsrichter werden kann. Er hat mir gesagt, dass ich dafür zu jung bin und ob ich nicht auch selbst spielen will. So bin ich dann als Spieler in den Verein gekommen, habe aber jedes Jahr im Sommer wieder nachgefragt, bis ich dann mit 16 Jahren endlich zu einem Lehrgang angemeldet wurde.

 

  1. Was begeistert Dich am Schiedsrichtersport?

Ich hatte schon immer ein ziemlich ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und fand es von Anfang an spannend, auf dem Platz gewissermaßen die Fairness zu überwachen. Besonders reizvoll finde ich auch die Kombination, sich gleichzeitig körperlich und geistig zu fordern, da sich jede noch so kleine Unachtsamkeit als Schiedsrichter möglicherweise entscheidend auf ein Spiel auswirken kann.

 

  1. Was war Dein unvergesslichster Moment auf dem Platz?

Positiv: Da gab es so einige besondere Momente und es ist schwer, einen gesondert herauszustellen… Den größten Eindruck hinterlassen hat bei mir allerdings ein Spiel in der Kreisliga Aschaffenburg hinterlassen, bei dem es im Derby kurz vor Saisonende noch um den Aufstieg ging und fast 1.000 Zuschauer am Sportplatz waren. Wie die Stimmung beim Ausgleich der Gäste kurz vor Schluss war, kann man sich ja denken. 😉

 

Negativ: Kurz gesagt: Ein Spiel, dass ich abbrechen musste, weil ein Spieler nach einer roten Karte wegen Beleidigung auf mich losgegangen ist und sich auch nicht von den Spielern seiner eigenen Mannschaft zurückhalten ließ.

 

  1. Was war deine Motivation, Dich für die Ausbildung zum Lehrwart anzumelden?

Zunächst mal vorweg: Es gibt keine wirkliche Ausbildung zum Lehrwart.

Ich hatte mich schon vorher in der Lehrarbeit engagiert und beispielsweise die monatlichen Regeltests teilweise entworfen und im Anschluss auch ausgewertet. Dann kam unser damaliger Kreisschiedsrichterobmann Mathias Lippert bei der Kreisleistungsprüfung 2011 auf mich zu und hat gefragt, ob ich es mir vorstellen könnte, das Amt von meinem Vorgänger Jörg Kauer zu übernehmen.

Ich konnte mir das damals zwar schon vorstellen, war mir aber nicht sicher, ob ich dem Amt gewachsen bin. Aber man wächst ja bekanntlich an seinen Aufgaben. Auch habe ich darin eine gute Gelegenheit gesehen, in der Vereinigung etwas mit aufbauen und eigene Ideen einbringen zu können.

Dann wurde ich 2012 in das Amt gewählt und wollte es von Anfang an so gut wie möglich ausfüllen. Hierzu habe ich jede angebotene Möglichkeit zur Weiterbildung genutzt und die damals neu eingeführte Lizensierung über mehrere Module durchlaufen. Mein Ziel war hierbei immer, mich bestmöglich weiterzuentwickeln.

 

  1. Wie hat die Tätigkeit als Lehrwart Deine Sicht auf den Sport verändert bzw. erweitert?

Als Lehrwart habe ich erkannt, wie wichtig es ist, sich immer auf dem aktuellen Stand der Regeln zu halten: Während meiner Tätigkeit gab es einige tiefergreifende Regeländerungen und Anpassungen an der Auslegung einiger Regeln. Leider erreichen viele dieser Änderungen nicht die Trainer oder Spieler aller Mannschaften, wodurch es immer wieder zu unnötigen Diskussionen auf den Sportplätzen kommt.

 

6. Was sind die größten Veränderungen in der Schiedsrichteraus- und weiterbildung, die Du während Deiner Laufbahn miterlebt hast?

Von den zahlreichen Regeländerungen mal abgesehen geht der Fokus in der Schiedsrichterweiterbildung immer stärker auf jüngere Talente. Alles in allem wird das gesamte Schiedsrichterwesen im Leistungsbereich ab der Gruppenliga immer professioneller und die Ansprüche an die körperliche und geistige Fitness steigen.

 

7. Auf welchen Lehrgang, welches Trainingsprogramm, das Du erstellt hast, bist Du besonders stolz?

Auf die gemeinsam mit dem Hochtaunuskreis organisierten Trainingslager mit unseren kreisinternen Förderkader-Schiedsrichtern. Es war ein ziemlicher Aufwand, das entsprechende Programm vorzubereiten. Aber das, was am Ende dabei rausgekommen ist und vor allem wie alle Teilnehmer mitgezogen haben, hat mich tatsächlich beeindruckt.

Wir haben hierbei eine Art Olympiade aus mehreren Disziplinen organisiert, mit einer guten Mischung von Theorie und Praxis. Die Teilnehmer traten in zufällig zusammengestellten Vierer-Teams an.

 

8. Hat die Tätigkeit als Lehrwart sich auf Deinen Stil als Schiedsrichter ausgewirkt?

Da ich an mich selbst den Anspruch stelle, mit gutem Beispiel voranzugehen, bin ich nach meiner Einschätzung etwas kleinlicher bzw. strenger in der Regelauslegung geworden. Oder anders gesagt: Ich habe weniger Argumente für den Spieler gesucht oder gelten lassen, um die regelkonformen Strafen abzumildern.

 

9. Was möchtest Du als “alter Hase” unseren Nachwuchs-Schiedsrichtern mit auf den Weg geben?

Hinterfragt euch immer wieder selbst, jedes Spiel bietet die Chance, etwas zu lernen. Es ist in Ordnung auch mal Fehler zu machen. Wenn man solche Fehler selbst erkennt oder konstruktiv darauf hingewiesen wird, sollte man daraus etwas für die Zukunft mitnehmen. Nehmt vor allem die Hinweise von erfahrenen Kollegen ernst, ohne euch dadurch persönlich angegriffen zu fühlen; die meisten meinen es gut mit euch

 

 

 

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